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Fossile Energien

 

Die Lebensphilosophie der Menschen, das vermeintliche Lebensglück in den vergangenen 70 Jahren im Massenkonsum zu finden, ist möglich geworden durch die grenzenlose Nutzung der fossilen Energien. Über Jahrtausende stand nur die Sonnenenergie, die daraus entstandenen brennbaren pflanzlichen Produkte sowie Wind und Wasser als Energiequelle zur Verfügung. Diese Energienutzung war nachhaltig. Es wurde nur das verbraucht was sich immer wieder erneuerte. Die fossilen Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas sind ebenfalls organischen Ursprungs und durch die Energie der Sonne über Jahrmillionen entstanden. Sie liegen konzentriert in der Erde und sind endlich. Sie werden nicht mehr neu gebildet, wir können sie nur von dem Bestandskonto abbuchen bis es leer ist.

Etwa ab dem 12. Jahrhundert reichte es den Menschen nicht mehr aus, nur erneuerbare Energiequellen zu nutzen und sie begannen zunächst in England mit dem Kohleabbau. Damit stand konzentrierte Energie für die Verhüttung von Eisenerz zur Verfügung. Das Eisenzeitalter mit verstärktem Geräte- und Maschinenbau konnte sich entwickeln.

 

Übersicht: Weltenergieverbrauch von 1850 bis 2015 mit gigantischem Verbrauchszuwachs seit den 50er Jahren

 

Zunächst wurde nur, wie beim Heizen der Häuser, die unmittelbare Verbrennungswärme genutzt. Die Umsetzung der Kohleenergie in vielseitig verwendbare Energie begann mit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1782. Die Antriebsleistung von Maschinen, sowie der Transport von Menschen und Material wurden durch Dampfmaschinen, Dampfschiffe sowie Dampfeisenbahn erheblich gesteigert. Die Vervielfachung der Anwendungsmöglichkeit der Kohle als Energiequelle ergab sich dann, als mit der Dampfmaschine auch Elektrizität erzeugt werden konnte. Strom wurde durch Leitungen an jeden Ort gebracht. Der damit mögliche Einsatz von Elektromotoren, etwa ab 1850, steigerte in den verschiedensten Produktionsprozessen die Produktionsleistung der Arbeitskräfte abermals. Muskelkraft für den Antrieb von Maschinen wurde immer mehr durch Motorkraft ersetzt. Mit der Erfindung von Benzin- und Dieselmotor wurden dann, etwa ab dem Jahr 1900, die Dampfmaschinen gerade im mobilen Verkehr schrittweise ersetzt. Die Verbrennungsmotoren konnten mit Benzin und Diesel aus Erdöl angetrieben werden, welches in beliebiger Menge mitgeführt werden konnte. Das ermöglichte den Individualverkehr und letztlich auch den Luftverkehr.

Die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl sowie später auch Erdgas waren preiswert zu haben, es entstanden nur Förder- und Bereitstellungskosten. Der gewaltige Aufschwung bei Güterproduktion und Verkehr, zunächst in den Industriestaaten und später auch darüber hinaus, wurde fast ausschließlich durch die beliebige Verfügbarkeit der fossilen Energie möglich. Der problemlose Zugang zu Elektrizität und Treibstoff hatte auch eine gigantische Technisierung in den privaten Haushalten zur Folge. Heizung, Kühlung, Beleuchtung, TV und Telekommunikation sowie Individualverkehr haben auch die Privaten Haushalte zu Energiegroßverbrauchern werden lassen. Verursacht durch die Technisierung im Produktions- und Privatbereich, insbesondere seit den 50er Jahren, wuchs der Energieverbrauch exponentiell. Die Übersicht zeigt den Weltenergieverbrauch in der Zeitspanne zwischen 1850 und 2015.

Der Primärenergieverbrauch pro Person in den Ländern der Erde ist jedoch sehr unterschiedlich. So verbraucht ein Weltbürger im Ø 1,79, ein Nordamerikaner 5,81, ein EU-Bürger 3,14, ein Asiate 1,34 und ein Afrikaner nur 0,37 Tonnen Erdöläquivalent.

Wie lange reichen die fossilen Brennstoffe bei exponentiellem Bevölkerungswachstum und Energieverbrach? Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihren Prognosen von 100 Jahren aus. Die Klimakrise könnte diesen Zeitpunkt auch weit vorher erzwingen.

Sicher ist die Erkenntnis, dass ohne den massiven Verbrauch der Energieressourcen Kohle, Öl und Erdgas, unsere Welt anders aussehen würde. Die konsequente Nutzung der fossilen Energie ist ein gewaltiger Produktionsfaktor für unsere Wirtschaft. Sie vervielfacht einerseits die menschliche Arbeitsproduktivität und ermöglicht damit andererseits, für einen großen Teil der Menschheit, nie erhoffte Freizeit und Luxuskonsum.

Sicher ist auch, dass bei unserer jetzigen Wirtschaftsweise, spätestens für unsere Enkelkinder diese komfortablen Bedingungen nicht mehr gelten. Es liegt daher in der Verantwortung der jetzt Handelnden, die Weichen möglichst schnell auf Nachhaltigkeit umzustellen.

Dr. Günther Lißmann, 29.05.2019